Blick zurück: 1000 Jahre Forstwirtschaft im Spessart

Die Bewirtschaftung des Waldes war und ist prägend für den Spessart. Die Nutzung der Wälder hat einen wesentlichen Beitrag zur Entstehung der Kulturlandschaft im Spessart geleistet. Der Weg zum multifunktionalen Wald des 21. Jahrhunderts war lang, den heutzutage selbstverständlichen und sinnvollen Dreiklang von nachhaltiger Holznutzung, Naturschutz und Erholung gibt es in dieser Form erst seit einigen Jahrzehnten.

Im Mittelalter war der Spessart zunächst ein sogenannter Bannforst und damit den jeweiligen Herrschern vorbehalten. "Zutritt verboten!" bedeutete das für die Menschen der damaligen Zeit. Eigentümer weiter Landstriche des Spessart waren (bis Anfang des 19. Jahrhunderts) die Mainzer Kurfürsten. Diese hatten wesentliche Teile des Spessart an die Grafen von Rieneck übertragen, die das Forstobermeisteramt inne hatten.

Um die aufwendigen Jagden zu organisieren, wurden ab etwa dem 11. Jahrhundert Siedlungen gegründet. Es entstanden sogenannte Jagdfrondörfer. Bereits im 13. Jahrhundert wurde eine Forstadministration eingerichtet. Diese hatte einerseits die Aufgabe, die Holznutzung zu kontrollieren und die Bejagung zu organisieren. Andererseits sorgte sie dafür, dass die Menschen ihre Forstrechte wahrnehmen konnten.

Die ersten Förster

Antike

Seit Ende des 13. Jahrhunderts waren im Spessart einige berittene Förster unterwegs. Sie hatten die Aufgabe, die Einhaltung der jeweiligen Regularien zu überwachen. Im 15. Jahrhundert wurde die damalige Forstaufsicht ergänzt um einen sogenannten Laubmeister, der ebenfalls die Aufgabe hatte, die Nutzung der Wälder zu kontrollieren. Da gerade die Glasproduktion große Mengen an Holz verschlang, wurden Nutzungspläne erstellt, die sicher stellen sollten, dass die Waldbestände nachhaltig genutzt wurden.

Übernutzung der Wälder

Anfang des 16. Jahrhunderts wurden waldbauliche Vorschriften erlassen, die eine geeignete Waldpflege und Verjüngung der Forste zum Ziel hatte. So wurde bereits um 1550 das Fällen von Bäumen in der Nähe von Glashütten eingeschränkt. Nur dort durfte genutzt werden, wo ausreichend Jungwuchs vorhanden war. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die Zahl der Glashütten von elf auf vier verringert. Ab dem 17. Jahrhundert wurde auch die Köhlerei streng reglementiert.

Die Forstadministration konnte damals bestenfalls das Schlimmste verhindern. Der Hunger nach Holz war so groß, dass ihm alles andere untergeordnet wurde. Das Nachhaltige Denken und Handeln, wie wir es heutzutage leben, war damals noch weitestgehend unbekannt. Die Folge war eine massive Übernutzung der Wälder. Als schließlich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch eine Vorratserhebung Aufschluss über den Zustand der Wälder im Spessart gewonnen wurde, war das Ergebnis ernüchternd. Weite Flächen waren praktisch ertraglos, ein Umdenken war dringend notwendig.

Konsequenz: Wiederaufforstung

Als Konsequenz haben die damaligen Spessartförster in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts viele Gebiete wieder aufgeforstet. Auch die Forstorganisation wurde den Gegebenheiten angepasst: Die Zahl der Förster wurde sowohl für den Staatswald wie auch für den Kommunalwald erhöht. 24 Förster betreuten von nun an die staatlichen Wälder. 1852 trat schließlich das Bayerische Forstgesetz in Kraft, das den Fortbestand der Wälder sicher stellte.

Schützen und Nutzen

Seither geht es mit den Wäldern im Spessart fast kontinuierlich bergauf – mit einem gravierenden Rückschlag. Eine Sturmkatastrophe verursachte 1972 allein im Bereich des damaligen Forstamts Heigenbrücken einen Schaden von über 100.000 Festmetern – also etwa die vierfache Menge des Holzes, das normalerweise in einem Jahr nachhaltig genutzt wird. 

Bei der Wiederaufforstung legten die Spessartförster großen Wert darauf, möglichst keine reinen Nadelwälder entstehen zu lassen. Wo es möglich war, legten sie Eichensaatflächen an. Auch die Douglasie, die aufgrund ihrer Wurzeln standfester ist als die Fichte, wurde an vielen Stellen mit Erfolg beigemischt.

Die Geschichte des Spessarts ist auch eine Geschichte der Bewirtschaftung von Wäldern. Das Holz, das die Wälder im Spessart hervorbringen, wurde zu allen Zeiten genutzt. Der landschaftliche Reichtum und die große Artenvielfalt, die wir heute im Spessart vorfinden, sind das Ergebnis dieser Bewirtschaftung. Die herrlichen Wälder sind das beste Beispiel dafür, dass ein harmonischer Dreiklang aus Holznutzung, Naturschutz und Erholung der gesamten Bevölkerung dient. Niemand weiß das besser als die Menschen im Spessart.